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Schulranzengewicht - eine Diskussion mit falschem Schwerpunkt |
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In jedem Jahr wird zu Schulbeginn von vielen
Seiten vor angeblichen Schäden an der
kindlichen Wirbelsäule durch zu schwere
Schulranzen gewarnt. Die Wirbelsäule
ist beim wachsenden Skelett ohne Zweifel durch
Fehlbelastungen besonders gefährdet,
daher verbietet das Jugend-Arbeitsschutzgesetz
(§21,1) Arbeiten, die mit Heben, Tragen
oder Bewegen schwerer Lasten verbunden sind.
Schädigungen der kindlichen Wirbelsäule durch den Schulranzen sind jedoch nicht bewiesen. Aktuelle Zahlen über das tatsächliche Ranzengewicht liegen nicht vor, zudem ist nach Untersuchungen von 1979 die Einwirkungszeit der Ranzengewichte zu kurz, um tatsächlich eine chronische Schädigung zu provozieren. Außerdem werden viele Schüler im PKW oder Schulbus gebracht und geholt. Auch die Pädagogen sorgen durch Arbeitsblätter und Deponierung der Bücher in der Schule für eine Reduktion der Ranzenbeladung. Ihre Bemühungen scheitern jedoch häufig an dem Wunsch der Eltern, zu Hause mit den Kindern zu üben bzw. den Unterricht verfolgen zu können. Eine gesunde kindliche Wirbelsäule wird diese zeitliche und gewichtsmäßige Belastung durch den Schulranzen ohne Schädigung tolerieren. Bedauerlicherweise haben aber zahlreiche Kinder einen durch Bewegungsmangel unzureichend trainierten Haltungs- und Bewegungsapparat. Schuld sind u.a. die fehlenden Möglichkeiten zu freiem Spiel und Sport und damit zum physiologischen Entwicklungsreiz des Skelettapparates und das falsche Freizeitverhalten bei fehlerhaftem Vorbild der Eltern (exzessives Fernsehen und Computerspiele schon bei Klein- und Vorschulkindern). Die Möglichkeit zum spielerischen Training durch Sport im Verein oder Sport im Kindergarten wird als Ersatz für diese Einschränkungen von den Eltern zu selten genutzt. Das physiologische Training des Haltungs-
und Bewegungsapparates schließt natürlich
die allgemein empfohlenen Maßnahmen
nicht aus. Vordergründig müssen
falsche Tragegewohnheiten abgestellt werden.
Dies sind: einseitiges Tragen des Ranzens
oder ungleich eingestellte Gurte, die eine
Schiefhaltung fördern; zu kurze Gurte,
die einen Rundrücken und zu lange Gurte,
die einen Hohlrücken provozieren. Der
Ranzen ist dicht am Körper zu tragen.
Die Eltern sollen regelmäßig
Inhalt und Gewicht des Schulranzens ihrer
Kinder kontrollieren (das Ranzengewicht
soll 10 % des Körpergewichtes nicht
überschreiten, bei zarten Kindern eher
noch weniger). Der ideale Ranzen hat ein
geringes Grundgewicht von 1000-1300g mit
einem Volumen von 20 l und darf die Schulter
des Kindes nicht überragen. Die Gurte
und der Rückenteil sind gepolstert.
Der Korpus hat Reflexstreifen |
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Federführend: Prof. Dr. B.-K. Jüngst,
Mainz, Dr. K.-D. Rolirad, Northeim
Stand: 10.10.2000 |