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Inline-Skating |
| Informationen, Einschätzungen und Bewertung einer Trendsportart aus sportmedizinischer Sicht |
| Einleitung Inline-Skating ist eine weltweit stark wachsende Freizeitsportart [16]. Die Begeisterung für das Fortbewegen auf den "in-einer-Linie" angeordneten Rollen wuchs zu Beginn der neunziger Jahre besonders in den USA. In den letzten zwei Jahren stieg die Zahl der Aktiven jedoch auch in Deutschland deutlich an, so daß mittlerweile über 8 Mio. Menschen diesen Sport betreiben [9]. Das Interesse am Inline-Skating bleibt im Vergleich zu den meisten Skateboardfahrern nicht nur auf die Altersklasse der Kinder und Jugendlichen bis 19 Jahre beschränkt, auch wenn diese mit einem Anteil von 77% die zahlenmäßig stärkste Gruppe bildet [9]. Mit 23% beteiligen sich zu knapp einem Viertel auch Erwachsene jenseits der Zwanzig, wobei Frauen mit 51%- und Männer mit 49%-Anteil gleichermaßen vertreten sind [9]. Im Jahr 1996 wurden in Deutschland annähernd so viele Inline-Skates verkauft wie Kfz zugelassen wurden (ca. 4 Mio.). Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumgüterforschung in Nürnberg ist auch in den nächsten Jahren mit einem Zuwachs in diesem Trendsport zu rechnen [9]. Geschichte und Entwicklung Die eigentliche Idee des Inline-Skatings ist nicht neu. Im Jahre 1760 leistete ein Belgier namens John Josef Merlin Pionierarbeit, indem er Metallräder an Stahlkufen von Schlittschuhen befestigte und erste Gleitversuche auf diesen Rollen unternahm [17].
Abb. 1
Die Schuhe der neuen Generation wurden von den Gebrüdern Olsen 1980 in Minneapolis, USA, entworfen, die als Eishockey-Spieler eine neue Methode zur Ausübung ihres Sommertrainings suchten und daher Polyurethanrollen zusammen mit einem Gummistopper unter einem Hartschalenschuh anbrachten [16]. Hieraus entstanden verschiedene Formen des Inline-Skatings, die offiziell von den internationalen Verbänden der Sportart in vier Disziplinen unterteilt werden [5].
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| Die genauen Zahlen der Aktiven in den einzelnen Disziplinen des Inline-Skatings lassen sich nur vermuten, da der Großteil nicht in Verbänden organisiert ist. Die Gesellschaft für Konsumgüterforschung beschreibt in ihrer Statistik zu den Gründen der Nutzung von Inline-Skates folgende Verteilung: |
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Abb. 2 Organisierte Mitglieder finden sich im DIV [5], dem Amateursport-Verband des Inline-Skatings, und im Deutschen Rollsport-Bund (DRB) [6]. Beide Organisationen arbeiten eng zusammen. Der DIV zählt nach eigenen Angaben ca. 800 Mitglieder, zur Verteilung der Mitglieder auf die einzelnen Disziplinen liegt keine Aufschlüsselung vor. Der Deutsche Rollsport-Bund weist eine Mitgliederzahl von 20.311 auf (Stand 01/97) und unterteilt dabei in "Rollkunstlauf" (51,2%), "Rollschnellauf" (10,2%), "Rollhockey" (13,1%), "Skater-Hockey u. Inline" (13,9%), "Skateboarding u. Inline-Aggressive" (5,3%) sowie "passive Mitglieder" (6,3%). Verkehrsrechtliche Stellung des Inline-Skaters: Die Nutzung von Straßen besonders durch den hohen Anteil von Freizeit-Skatern erscheint problematisch, da verkehrsrechtlich Inline-Skates als Spielzeuge anzusehen sind und die Straßenverkehrsordnung das Spielen und somit das Benutzen von Inline-Skates auf öffentlichen Fahrbahnen, Seitenstreifen und Radwegen verbietet. Auf Gehwegen und auf Fahrbahnen in reinen Wohngebieten besteht hingegen kein Fahrverbot, solange Fußgänger nicht gefährdet oder behindert werden. Der DIV bemüht sich um eine Kooperation mit allen sport- und verkehrspolitischen Organen und Institutionen, um die Öffnung weiterer Flächen zum Inline-Skating, z. B. Radfahrwege, Schulhöfe, Turnhallen, zu beschleunigen [5]. |
Ausrüstung zum Inline-SkatingZur Inline-Skating-Ausrüstung zählen die Inline-Schuhe und eine Schutzbekleidung [5]. Schuhe:
Wichtige Merkmale der Inline-Skates sind dabei
Bei der Schuhbeschaffenheit unterscheidet man Modelle mit Hartschale und Innenschuh sowie Modelle nur mit Weichschuh, wie sie z. B. beim Fitneß-Skating favorisiert werden. Als Verschlußsysteme dienen Schnallen oder Schnürung, auch eine Kombination von beiden ist möglich. Aus der Schuhbeschaffenheit und der Art des Verschlusses resultieren unterschiedliche Stabilitäten der Inline-Skate-Modelle, besonders hohe Anforderungen an die Stabilität werden beim Inline-Hockey und beim Aggressive- und Stunt-Skating gestellt. Die Rollen der Inline-Skates variieren sowohl in ihrer Größe und Form als auch im Härtegrad. Kleine Rollendurchmesser von 41-65 mm mit flachem, hartem Profil kommen zum Teil beim Aggressive- und Stunt-Skating zum Einsatz, in den anderen Disziplinen schwanken die Größen zwischen 70 bis 80 mm mit spitz zulaufenden, weicheren Rollen. Ebenso unterschiedlich wie die Schuhe sind auch die Preisklassen, je nach Komfort und Qualität liegt die Spannbreite zwischen 300-600 DM, Spitzenmodelle kosten sogar zwischen 700-1800 DM.
Da die Qualität der Schutzbekleidung nicht bei allen angebotenen Produkten gleich ist, sollte beim Kauf auf das TÜV-Siegel "Geprüfte Sicherheit" geachtet werden. Weitere Faktoren bei der Auswahl von Protektoren sind:
Die Notwendigkeit einer Schutzbekleidung unterstreichen die Ergebnisse einer Umfrage unter 1036 Inline-Skatern mit Hilfe eines Fragebogens [12], in der die in Abb. 3 aufgeführten Angaben zur Sturzhäufigkeit beim Fahren auf Inline-Skates gemacht wurden.
Abb. 3
Die Ursachen für ein Sturzereignis sind vielfältig. Eine Untersuchung hierzu erbrachte in 58% der Fälle Gleichgewichtsverlust als Sturzursache, in 25% eine Kollision mit feststehenden Objekten, in 11% Zusammenstöße mit Fahrrädern und in 5% mit Autos [1]. Ähnliche Angaben fanden sich in einer Befragung von 137 Inline-Skatern, von denen zusätzlich 19% als Grund für einen Sturz das nicht mehr rechtzeitige Bremsen erwähnten [15]. Genauere Daten zum Bremsvermögen wurden im o.g. Feldversuch erhoben und sind in Abbildung 4 zusammengefaßt [12].
Abb. 4
Abb. 5 Dennoch wird der Notwendigkeit des Tragens einer kompletten Schutzausrüstung beim Inline-Skating nur selten nachgekommen. In einer Umfrage in Milwaukee unter 1548 Inline-Skatern gaben 31,7% an, keinen Schutz zu tragen [23]. Ein kompletter Schutz wurde in anderen Untersuchungen nur von 7%-17% der Inline-Skater getragen [12, 18]. Verletzungen beim Inline-SkatingEine komplette Schutzbekleidung ist jedoch kein Garant für eine Unversertheit bei einem Sturzereignis. Manche Verletzungsmuster, wie z.B. Unterarmfrakturen oberhalb der Handschienen, sog. "splint-top"-Frakturen, sind sogar durch die Bauart der Schutzbekleidung bedingt [4]. Darüber hinaus sind beim Inline-Skating schon schwerwiegende Verletzungen mit Querschnittslähmung und sogar Todesfolge beschrieben worden [3, 22]. Das Verletzungsrisiko bei
Inline-Skatern ist angesichts der Fahrgeschwindigkeiten von 20-30 km/h und
sogar Spitzengeschwindigkeiten bei Speed-Skatern von über 50 km/h hoch,
insbesondere, wenn die Bremstechniken nicht beherrscht werden. Zudem spielt
die Erfahrung und das Alter auch im Hinblick auf den Schweregrad der
Verletzung eine entscheidende Rolle. So beobachteten Eingartner et al., daß
verletzte Inline-Skater mit weniger als 1-monatiger Erfahrung mehr als
doppelt so oft mit einer operationsbedürftigen Fraktur behandelt werden
mußten als diejenigen mit längerfristiger Übung [7]. Ebenso wiesen Verletzte
in der Altersgruppe über 35 Jahre häufiger als jüngere Skater schwere
Verletzungen, z. B. hüftgelenksnahe Oberschenkelbrüche, auf [7]. Physiologische Aspekte des Inline-SkatingÜber ein Drittel (37%) der Inline-Skater
fährt aus sportlichen Ambitionen [9]. Um eine genaue Aussage über die
Auswirkungen des Inline-Skatings auf das Herz-Kreislaufsystem zu treffen,
wurde das Verhalten von Laktat und Herzfrequenz beim Inline-Skating im
Vergleich zu traditionellen Ausdauerbelastungsformen wie Radfahren und
Laufen untersucht [19]. Grundlage war dabei je eine Stufenbelastung beim
Inline-Skating, auf einem Fahrradergometer sowie auf einem Laufband. Bei
gleicher Sauerstoffaufnahme war das Laktatverhalten dem beim Radfahren
vergleichbar, was sich durch die Beanspruchung ähnlicher Muskelgruppen mit
gleichem statischem Kraftanteil erklären läßt.
Abb.: 6 Beziehung der Laktatkonzentration zur relativen Sauerstoffaufnahme entsprechend 50, 60,...,90 und 100% der Maximalleistung (links) sowie Beziehung der Herzfrequenz zur Laktatkonzentration im Bereich von 2 bis 7 mmol/l (rechts) im Inline-, Fahrradergometer- und Laufbandstufentest (n = 9) [19]. Die Laktatwerte beim Inline-Ausdauertraining wurden bei 137 Personen untersucht [19]. Im Mittel lag die Konzentration bei 2.04 ± 1,40 mmol/l, knapp 11% der Skater hatten eine Laktatkonzentration > 4 mmol/l, was unter den bei Läufern und Schwimmern gemessenen Befunden liegt [21]. Als mögliche Ursache für die niedrigen Laktatkonzentrationen wird diskutiert, daß eine höhere Belastung beim Inline-Skating für Anfänger aus fahrtechnischen Gründen nicht erreichbar ist. Ähnliche Befunde sind auch bei Eisschnelläufern beschrieben [13]. Erfahrene Inline-Skater, die mit hohen Geschwindigkeiten fahren könnten und ausdauerleistungsfähig sind, können häufig aus Sicherheitsaspekten (Gefahr durch Fußgänger, Radfahrer, Kfz) ihre Leistungsfähigkeit nicht voll ausnutzen. Beim Vergleich der Sauerstoffaufnahme bei gleicher Geschwindigkeit zwischen Inline-Skating und Laufen zeigten sich niedrigere Werte beim Inline-Skating [19]. Personen mit geringer Ausdauerleistungsfähigkeit können sich beim Inline-Skating zwischen 50-70% der maximalen Leistungsfähigkeit bei geringen Laktatwerten belasten, was für diesen Personenkreis beim Laufen oft nicht möglich ist [19]. Die Möglichkeit, die Ausdauerleistungsfähigkeit durch Inline-Skating zu verbessern, wurde in einer Studie mit College-Studenten nachgewiesen [14]. Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2 max.) und die maximale Belastungszeit auf dem Laufband wurden vor und nach einem Zeitraum von 9 Wochen Inline-Skate-Training gemessen. Zum Vergleich dienten Studenten, die 9 Wochen Lauftraining betrieben sowie Studenten, die während dieser Zeit keinen Sport ausübten. Es fand sich eine vergleichbare Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme bei der Gruppe der Inline-Skater und Läufer sowie eine Steigerung der maximalen Belastungszeiten auf dem Laufband. Die untätige Kontrollgruppe zeigte keine Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit. Auf Grund der positiven Beeinflussung der Ausdauer scheint Inline-Skating primär auch für Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen geeignet zu sein, auch wenn die Effektivität wegen eines niedrigeren O2-Pulses im Vergleich zum Radfahren geringer ist [24]. Bei Ungeübten kann jedoch allein schon die Angst vor einem Sturzereignis bzw. die Erwartung einer Streßsituation beim Fahren eine Steigerung der Herzfrequenz bewirken. Für herzkranke Skater mit gutem Übungsgrad hingegen könnte Inline-Skating bezüglich positiver Auswirkung auf das Herz-Kreislaufsystem sowie den Stoffwechsel als günstig erscheinen, entsprechende Untersuchungen liegen aber noch nicht vor. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, daß Herzpatienten in der Regel älter sind und aufgrund einer geringeren Knochendichte sich Stürze schwerwiegender auswirken können. Auch bei marcumarisierten Patienten ist Vorsicht geboten. Bei Betrachtung der Auswirkungen des
Inline-Skatings auf das Herz-Kreislaufsystem ist zu bedenken, daß
Unterschiede neben dem Fahrkönnen auch auf die Fahrstile und auf die
Körperpositionen zurückzuführen sind. ResümeeInline-Skating etabliert sich im Freizeit- und Wettkampfsport. Wie die Zuwachsraten und Prognosen zeigen, wird sich diese Entwicklung innerhalb der nächsten Jahre fortsetzen [9]. Auf Grund der positiven Wirkung auf das
Herz-Kreislaufsystem eignet sich Inline-Skating bei entsprechenden
fahrtechnischen Vorraussetzungen zum Ausdauertraining [14, 19, 20, 24].
Dabei sollte allerdings zwischen den verschiedenen Disziplinen dieses Sports
differenziert werden, da die Belastungsintensität stark variieren kann. Zudem sollte sich jeder Inline-Skater der grundlegenden Prinzipien seiner Sportart bewußt sein. Der DIV hat dazu "Die Goldenen Regeln des Inline-Skatings" herausgebracht, die jedem, der diesen Sport betreibt, als Hilfestellung dienen und Anfängern durch Ratschläge zum Umgang mit dem neuen Sportgerät den Beginn erleichtern sollen [5]. Zusammenfassend betrachtet, erscheint das Inline-Skating als abwechslungsreicher und vielseitiger Trendsport, der für unterschiedlichste Altersklassen eine reizvolle Alternative zu traditionellen Sportarten darstellt. |
AnhangDie Goldenen Regeln des Inline-Skatings des DIV:
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Literaturverzeichnis
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| Erarbeitet von der Sektion Breiten-, Freizeit- und Alterssport der DGSP Teilnehmer:
Erarbeitet
von: Stand: Dezember 1997 |