Hitzebelastung ist die physiologische und psychologische Reaktion des Menschen auf einen Hitzestreß (4). Letzterer wird durch die Verbindung der Umgebungsfaktoren Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung und Strahlungswärme ausgelöst. Die Erfassung des Hitzestresses in Form von Indices hat für die Sportpraxis nur theoretische Bedeutung. Es ist jedoch hervorzuheben, dass in allen Indices die Luftfeuchtigkeit von überragender Bedeutung ist. In Innenräumen ist die Strahlungswärme zu vernachlässigen.
Die Fähigkeit, einen regulären Funktionszustand des Organismus unter Hitzebelastung zu erhalten, wird als Hitzetoleranz bezeichnet. Kinder haben gegenüber Erwachsenen ungünstigere thermoregulatorische Mechanismen und werden daher besonders während körperlicher Aktivitäten durch den Hitzestreß stärker belastet, d.h. sie haben eine geringere Hitzetoleranz (2):

1. Kinder produzieren unter muskulärer Belastung mehr metabolische Wärme. Diese wird im Wesentlichen über die Hautdurchblutung als Wärmekonvektion abgegeben, welche jedoch durch die ungünstige Volumen-Oberflächen-Relation erschwert ist.

2. Die physiologischen Kreislaufreaktionen unter körperlicher Belastung werden, insbesondere im Maximalbereich, durch die gleichzeitig notwendige Thermoregulation mittels vermehrter Hautdurchblutung zusätzlich gesteigert und erschwert.

3. Bis zur Pubertät haben die Kinder, bei gleicher Anzahl von Schweißdrüsen wie der Erwachsene, eine niedrigere Schweißproduktion und damit eine geringere Wärmeabgabe durch Verdunstung.

4. Im Schulsport besteht für die Kinder keine Gelegenheit, den durch die Belastung unter Hitzestreß ausgelösten Flüssigkeitsverlust durch ausreichendes Trinken auszugleichen.

Verstärkt wird die Hitzebelastung durch ungeeignete Kleidung, Intensität, Dauer und Art der körperlichen Belastung. Wegen mangelnder Kreislaufanpassung leiden untrainierte Kinder stärker unter einem Hitzestreß als trainierte.

Wird die Hitzetoleranz überschritten, können Hitzeschäden auftreten. Frühzeichen eines Hitzeschadens sind Kopfschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit, Bauchschmerzen, Aggressivität, Benommenheit, Apathie.
In Anlehnung an die Empfehlungen der American Academy of Pediatrics (1) Committee on Sports Medicine, wird daher empfohlen, bei Erreichen der Zone drei nach MATHEWS (3) die körperliche Belastung von Kindern, insbesondere die Ausdauerbelastungen, auf weniger als 30 Minuten zu reduzieren oder völlig einzustellen.
Die Zonentabelle nach MATHEWS kann auch für Innenräume übernommen werden, da die fehlende Luftbewegung zu einem Anstieg der Raumtemperatur führt und damit automatisch eine Verschiebung in der Tabelle eintritt.
Treten Symptome eines beginnenden Hitzeschadens auf, müssen folgende Maßnahmen ergriffen werden:

1. Die körperliche Belastung muss sofort beendet werden. Bei leichteren Symptomen kann ein kurzzeitiges Auslaufen der Stabilisierung des Kreislaufes dienen.

2. Das Kind soll in einen kühlen Raum gebracht und flach gelagert werden.

3. Bestehen keine Bauchschmerzen und/oder Erbrechen, soll dem Kind reichlich Flüssigkeit in kleinen Portionen angeboten werden.

4. Kinder mit Hitzeschäden bedürfen immer einer ärztlichen Betreuung.

Literatur:

(1) American Academy of Pediatrics (1982),Climatic heat stress and the exercising child
      Pediatrics 69: 808
(2) Bar-Or, O., Die Praxis der Sportmedizin in der Kinderheilkunde
      Springer, Berlin-Heidelberg-NewYork-Tokio 1986
(3) Mathews, DK, zitiert im Statement der American Academy of Pediatrics
(4) Stegemann, J., Leistungsphysiologie, Thieme, Stuttgart (1977)

 

 

Federführend für den Inhalt:
Univ.-Prof. Dr. B.-K. Jüngst, Univ.-Kinderklinik, Langenbeckstr 1, 55131 Mainz