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Sportmedizinische Aspekte des Golfsports |
1. Belastung und Beanspruchung
Der Golfschwung
Schlagen und Gehen
Leistungsphysiologische Aspekte
Die Sauerstoffaufnahme steigt während eines Spiels im Durchschnitt um das Dreifache gegenüber Grundumsatzbedingungen an (von 0,3 auf 0,9 l/min), was einem mittleren Brutto-Kalorienverbrauch von ca. 4,0 kcal/min (0,05 kcal/kg/min) und einem Nettoumsatz von ca. 2,8 - 3,0 kcal/min (0,035 kcal/kg/min) entspricht (3, 5). Bei einer Gesamtspieldauer von ca. 4 Stunden ergibt sich hieraus ein Bruttoumsatz von knapp 1000 kcal (4200 kJ) und ein Nettoumsatz von 680 kcal (2860 kJ) für einen 80 kg schweren männlichen Golfer. Der Trainingseffekt auf das kardio-pulmonale System ist gering, da im Mittel nur ca. 35 % der maximalen Sauerstoffaufnahme eingesetzt werden (3, 6). Die Spieler befinden sich maximal 15 min (verteilt über vier Stunden) in einem trainingswirksamen Bereich. Folglich besteht ein ausreichender Trainingsreiz nur im Einzelfall, wie beispielsweise bei Seniorenspielern mit weit unterdurchschnittlicher Leistungsfähigkeit oder bei täglichem Spiel (durch Addition der Belastungsspitzen). Die aerobe Ausdauer von Golfspielern ist jedoch im Allgemeinen gegenüber Untrainierten nicht erhöht, es sei denn, es wird ein ergänzendes Fitnesstraining durchgeführt, was besonders im Profi-Golfsport zunehmend der Fall ist.
Herz-Kreislauf-Beanspruchung
Beanspruchung des Stütz-
und Bewegungssystems Einer besonderen Beanspruchung ist die untere Wirbelsäule ausgesetzt durch Rotation beim Rück- und Durchschwung und Hyperlordosierung am Ende des Durchschwungs mit ausgeprägtem Finish. Eine ungenügend entwickelte Rumpfmuskulatur, ein unkontrolliert schneller Schwung, wozu insbesondere Männer mit schnellkräftiger Muskulatur neigen, und eine unzureichend entwickelte Beweglichkeit wirken sich zusätzlich ungünstig aus. Beim Putten wird die Rückenstreckmuskulatur statisch beansprucht. Sie neigt bei ungenügender Ausbildung zur Verkürzung und zum Hartspann, was häufig zu Beschwerden führt. Durch Modifizierung des Golfschwungs
(kürzerer Schwung, Vermeiden eines
Finish mit deutlicher Hyperlordosierung
der Wirbelsäule) und ein ergänzendes
Fitnesstraining kann die Belastung des
Stütz- und Bewegungssystems deutlich
reduziert werden. 2. Gesundheitswert des Golfsports Als gesundheitsfördernd betrachten viele Freizeitgolfer die erholsame und entspannende Wirkung des Golfspiels und die regelmäßige Bewegung in der Natur. Regelmäßige Bewegung mit einem Kalorienverbrauch von ca. 2000 3000 kcal/Woche bzw. eine gute Ausdauerleistungsfähigkeit gelten als Schutzfaktoren für degenerative Herz-Kreislauf-Erkrankungen (1, 7). Die maximale Sauerstoffaufnahme als Bruttokriterium der aeroben Leistungsfähigkeit unterscheidet sich bei Freizeitgolfspielern nicht wesentlich von jener Untrainierter. Allerdings führt ein Golfspiel über eine Dauer von 4 Stunden zu einem beachtlichen Energieverbrauch mit gesteigerter Fettverbrennung (3). Ungefähr ein Drittel des Geamtumsatzes wird beim Golf durch die Oxidation von Fetten bereitgestellt. Während einer 18-Loch-Runde entspricht dies einer Verbrennung von ca. 330 kcal Fett. Im Vergleich hierzu liegt der Fettumsatz während einer Stunde Tennis deutlich niedriger (ca. 80 kcal). Gesundheitlich positive metabolische Effekte (z.B. Veränderungen im Lipoproteinprofil) sind demzufolge möglich und konnten in vereinzelten Längsschnittstudien nachgewiesen werden (8). Mit zunehmendem Alter kommt es zu einem
Verlust an koordinativen Fähigkeiten
und Abnahme der Flexibilität, was
häufig Ursache von Stürzen
und Verletzungen ist. Hier könnte
das Golfspielen einen zusätzlichen
präventiven Effekt haben. 3. Gesundheitliche Risiken
Kardiale Gefährdung
Eine mögliche Gefährdung ergibt sich durch die kurzfristig hohe Druckbelastung während des Treffmoments und im Einzelfall (je nach Persönlichkeitsstruktur des Spielers) durch den Stressfaktor unter Wettkampfbedingungen. Bei der Mehrzahl aller Freizeitgolfer bleibt jedoch die mittlere sympathische Aktivität auch unter Turnierbedingungen gering (3). Gegebenenfalls können ungünstige äußere Bedingungen, wie Hitze und starke Sonneneinstrahlung, eine Rolle spielen. Insgesamt kann die kardiale Gefährdung jedoch aufgrund des milden Beanspruchungsprofils und dem Ausbleiben extremer Belastungsspitzen als gering eingeschätzt werden.
Orthopädische Risiken
Beschwerden infolge chronischer Überlastungen sind relativ häufig. Ca. 40 % der Freizeitgolfer leiden unter Beschwerden, die die Ausübung der Sportart mehr oder weniger beeinträchtigen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, Anfänger wiederum häufiger als fortgeschrittene Golfspieler. An der Spitze stehen Rückenprobleme, gefolgt von Handgelenk- und Ellenbogen- sowie Kniebeschwerden (2,10). Die Rumpfdrehung beim Golfschwung, die anhaltende Vorneigung beim längeren Üben von kurzen Schlägen und die extreme Hyperlordosierung der Lendenwirbelsäule am Schwungende bei Distanzschlägen können auch bei jüngeren Sportlern zu Schmerzen im Rückenbereich führen. Von den Bandscheiben werden vor allem Torsion und Hyperextension schlecht toleriert insbesondere bei unzureichender muskulärer Führung (eine Abgrenzung von Diskopathien und Tendomyopathien ist dabei schwierig bzw. kaum möglich). Im Bereich der Schulter finden sich entzündliche Veränderungen der langen Bizepssehne sowie Veränderungen im Bereich der Supraspinatussehne. Am Ellgenbogengelenk treten am ulnaren Epikondylus Insertionstendopathien auf (bei falscher Griff- und Schlagtechnik). Innenband und Innenmeniskus des Kniegelenkes sind in der Endphase des Golfschwunges einem erhöhten Valgus- und Außenrotationsstress ausgesetzt, was bei älteren Golfspielern zu einer Ligamentopathie und Meniskopathie führen kann (11). Hauptbefunde sind also Tendomyopathien bzw. Insertionstendopathien, muskuläre Überforderungen, in seltenen Fällen auch Meniskopathien. Die Beschwerden klingen unter symptomatischer Behandlung und Belastungsreduktion im Allgemeinen bald wieder ab. Ursache von Überlastungsbeschwerden ist neben der zu häufigen monotonen Wiederholung von bestimmten Bewegungsabläufen ohne ausreichendes Ausgleichstraining vor allem eine fehlerhafte Technik. Zur Prävention von Überlastungsbeschwerden
ist folglich die Schwungkorrektur unter
Anleitung eines erfahrenen Golfprofis
dringend geboten. Eine kräftige
Muskulatur stabilisiert die Wirbelsäule
und die großen Gelenke. Sie ist
Voraussetzung für eine physiologische
Belastung von Gelenkknorpel und Bandscheibe.
Zur Prävention von Fehlbelastungen
aufgrund muskulärer Ermüdung
ist also eine vorbereitende "Golfgymnastik"
analog zur Skigymnastik mit kräftigenden
Übungen für Schulter- und
Rumpfmuskulatur dringend zu empfehlen
(und sollte Teil jedes Golflehrganges
sein). 4. Spezielle medizinische Probleme
Golf nach Herzinfarkt
Golf bei Bluthochdruck
Golf bei Hüftendoprothesen
Golf bei Bandscheibenprotrusion
bzw. -prolaps 5. Allgemeine sportmedizinische Aspekte Zur Vermeidung einer Dehydratation und Hypoglykämie sind während eines Golfspiels, vor allem bei Hitze, regelmäßiges Trinken und Zufuhr von leicht verdaulichen Kohlehydraten erforderlich. Hiermit sollte bereits in der ersten Hälfte der Golf-runde begonnen werden, bevor sich ein Durst- oder Hungergefühl einstellt. Zu achten ist weiterhin auf einen zweckmäßigen Sonnenschutz (Kopfbedeckung) zur Vermeidung eines "Sonnenstichs" oder Hitzschlags. Spieler mit allgemein reduzierter Leistungsfähigkeit sollten sich vorher über die Platzverhältnisse informieren, um Überlastungen zu vermeiden. Allen Neueinsteigern jenseits des vierzigsten
Lebensjahres wird eine sportmedizinische
Gesundheitsuntersuchung empfohlen. Zusammenfassung Golfspielen ist eine von vielen betriebene Sportart, die aufgrund insgesamt nur moderater Beanspruchung bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Gesundheitliche Vorteile sind nach derzeitigem Wissenstand möglich, jedoch bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Voraussetzung für gesundes Golfspielen ist vor allem eine gute, den individuellen körperlichen Voraussetzungen angepasste Technik. Ein ergänzendes allgemeines Fitnesstraining
wird nicht nur zur Leistungsstabilisierung
des Golfspielens beitragen, sondern
den gesundheitlichen Nutzen verstärken.
Beispiele hierfür sind die Organisation
eines clubeigenen Lauftreffs oder sogar
die Einrichtung einer Laufstrecke auf
dem Gelände des Golfclubs. Literatur
63 65.
(Teilnehmer: Frau Dr. Berbalk, Dr. Boldt,
PD Dr. Hoffmann, Prof. Dr. Löllgen,
Erarbeitet von F. Boldt, Landesinstitut
für Sportmedizin Berlin (Federführung)
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