|
Sport bei Endoprothesenträgern |
|
Der
endoprothetische Ersatz funktionstüchtiger
Gelenke (TEP) ist längst zur Routine
geworden. Jährlich werden in Deutschland
mehr als 100 000 Totalendoprothesen
der Hüft- und Kniegelenke implantiert.
Nachdem die Sektion Rehabilitation und Behindertensport des DSÄB bereits 1987 erste Richtlinien über die Sportfähigkeit von TEP-Patienten erstellt hatte, lassen verbesserte Implantate und fortgeschrittene Operationstechniken sowie inzwischen größer gewordene Erfahrungen hinsichtlich sportlicher Aktivität bei TEP-Patienten eine Neufassung der Richtlinien wünschenswert erscheinen. Sportliche Aktivität als Freitzeitgestaltung bis hin zu leistungssportlicher Betätigung ist durch den Wandel des sozialen Umfeldes und der gesellschaftlichen Bedingungen mit einem größeren Gesundheits- und Freizeitbewußtsein nicht nur für junge, meist gesunde Menschen von zunehmender Wichtigkeit, vermehrte körperliche Aktivität spielt heute auch beim älter werdenden Menschen eine große Rolle. Der infolge von Gelenkleiden durch Schmerz und Bewegungseinschränkung beeinträchtigte, meist ältere Patient gewinnt durch eine Prothesenimplantation an Mobilität und Lebensqualität, die es ihm ermöglichen, wieder aktiv am Alltagsleben teilzunehmen. Andererseits werden durch Verbesserungen der Implantattechniken (Mechanik, Design, Verankerungsprinzipien) und erhöhte Verschleißfestigkeit der Materialien auch vermehrt jüngere, häufig körperlich aktive Patienten mit Endoprothesen versorgt. Der Wunsch, möglichst wieder eine zumindest teilweise Sportfähigkeit zu erlangen, wird daher nicht selten an den behandelnden Arzt herangetragen. Die
TEP-Operation dient primär nicht
sportlichen Zwecken, sondern der Erzielung
von Schmerzfreiheit und verbesserter
Bewegungs- und Gehfähigkeit,
um dem Patienten zu einem, seinem
Alter entsprechend aktiven Leben zu
verhelfen (Beruf, Hobby, Sport). Es
sollte stets berücksichtigt werden,
dass es sich bei dem Implantat
um ein vermindert beanspruchbares,
künstliches Gelenk handelt, das
unter Belastung eine physiologische
Anpassungsreaktion vermissen läßt
und zu einer vermehrten Beanspruchung
der Verbindungsflächen zwischen
lebendem Gewebe und künstlichem
Material mit dem Ergebnis einer Implantatlockerung
führen kann. Andererseits zeigen
Untersuchungen von WIDHALM (9) positive
Auswirkungen einer regelmäßig
und moderat betriebenen sportlichen
Betätigung auf die Lebensdauer
einer Endoprothese, deren Ursachen
in einer Verbesserung des knöchernen
Prothesenlagers infolge einer Anregung
der Knochenneubildung und einem besseren
muskulären Schutz des Kunstgelenkes
gesehen werden. Hinsichtlich der Frage
einer sportlichen Belastbarkeit nach
Endoprothesenoperationen bedarf es
in jedem Fall einer intensiven Beratung
des Patienten mit kritischer Abwägung
des Nutzen-Risiko-Verhältnis
und der Überprüfung allgemeiner
und individueller Voraussetzungen
sowie eventueller Kontraindikationen
durch den behandelnden Orthopäden
bzw. Sportmediziner.
|
| Hierbei handelt es sich allerdings um relative Kontraindikationen, d. h., sie bedeuten für den Endoprothesenträger nicht generell ein allgemeines Sportverbot, sondern schränken die Ausübung von Sport auf Bewegungsformen ein, bei denen die Prothese nicht wesentlich belastet wird. Generell besteht in diesen Fällen jedoch eine absolute Kontraindikation für Leistungs- und Wettkampfsport. |
| keine prothesenbedingte Ruhe- und/oder Belastungsschmerzen | |
| stabile Herz-Kreislauf-Verhältnisse (Belastungs-EKG bei Patienten > 40 erforderlich) | |
| OP mindestens 6 Monate zurückliegend (reizlose Narbenverhältnisse, keine Entzündungszeichen) | |
|
funktionelles Gangbild (kein
Hinken, keine Gehhilfen,
problemloses Treppensteigen, keine Varusstellung, keine signifikanten Beinlängendifferenzen) | |
| radiologisch keine Zeichen der Lockerung, Osteoporose, Varusposition | |
|
Stabilisierung der glutealen
Muskulatur (Muskelfunktionswerte
4-5, negatives Trendelenburg'sches Zeichen, kein Duchenne-Zeichen) | |
| angemessenes Bewegungsausmaß des Gelenkes (Extension bis 0ø möglich, keine Kontraktur |
| Alter, Körpergewicht, kardiovaskuläre Erkrankungen | |
| Prothesendesign, Implantattechnik | |
| sportliche Vorerfahrungen | |
| psychische Sportfähigkeit (Ehrgeiz, sportliche Ambition, Vernunft, Risikobewußtsein). |
|
Ziel der Beratung zur sportlichen Belastung
des TEP-Trägers muß es sein,
für jeden einzelnen den individuell
richtigen Mittelweg zwischen gelenkstabilisierendem
Bewegungsreiz und schädigender
Überlastung zu finden. Bei der
Wahl der geeigneten sportlichen Betätigung
nach TEP sollte unter Beachtung der
genannten allgemeinen und individuellen
Voraussetzungen nicht nur die am Wettkampfsport
orientierte Bewegungsdynamik berücksichtigt
werden, sondern es sollte auf alternative
Schontechniken und Bewegungsmodifikationen
ebenso hingewiesen werden, wie auf mögliche
Risiken bei Belastungsspitzen und eine
damit verbundene Implantatgefährdung.
Die empfohlenen Bewegungsabläufe sollten sowohl im Alltag wie auch bei sportlicher Betätigung regelmäßig, dosiert und kontrolliert ausgeführt werden. |
Kontraindizierte
Bewegungsformen:
(Gefahr der Implantatlockerung, Luxationsgefahr)
| abrupte Rotationsbewegungen | |
| extensive Adduktion (Scheren, Kreuzen der Beine) | |
| Belastungsspitzen (Sprünge, Ballspiele). |
Besonders geeignete Sportarten:
| Wandern | |
| Walking | |
| Schwimmen (Kraulbeinschlag) | |
| Skilanglauf (Diagonalschritt) | |
| Radfahren (Damenrad ohne Querstange, alternativ Heimtrainer) | |
| Gymnastik (Dehnungs- und Kräftigungsübungen) | |
| Rudern | |
| Paddeln |
Bedingt geeignete Sportarten:
| Jogging | |
| Golf | |
| Tischtennis | |
| Kegeln |
Wenig geeignete Sportarten:
| alpiner Skilauf | |
| Tennis | |
| Ballspiele | |
| Reiten | |
| Leichtathletik (Sprung-, Schnellkraftdisziplinen) |
| Grundsätzlich sind Sportarten
mit erhöhtem Verletzungsrisiko,
die gleichzeitig auch zu höheren
Belastungen des Kunstgelenkes führen
können, für TEP-Patienten
wenig geeignet. Andererseits gibt
es keinen statistisch gesicherten
Beleg dafür, daß bei Sportarten,
die diesen Kriterien entsprechen,
häufiger Lockerungen auftreten.
Ungeachtet dessen gelten aber in jedem Fall bei der Beratung auch für diese Sportarten die erwähnten allgemeinen und individuellen Voraussetzungen der Sportfähigkeit bei Endoprothesenträgern und die Notwendigkeit des Vermeidens kontraindizierter Bewegungsformen. Sport
nach Knietotalendoprothese Unter Beachtung der allgemeinen und individuellen Voraussetzungen kann ein rehabilitatives, stabilisierendes Training der gelenkführenden Muskulatur jedoch auch im Rahmen einer kontrollierten sportlichen Betätigung für die Führung und Entlastung eines Kniegelenk-Implantates als günstig angesehen werden. |
Empfehlenswerte
Sportarten/Bewegungsformen:
| Schwimmen (Aquajogging) | |
| Radfahren | |
| Wandern | |
| stabilisierende Gymnastikformen. |
|
|
Erarbeitet von der Sektion Rehabilitation und Behindertensport der DGSP Leiter:
Mitglieder:
Federführend
für die Erarbeitung: Stand: August 1998 |