|
Beeinflussung
von Risikofaktoren
Förderung von Schutzfaktoren durch
körperliche Aktivität und Sport |
Konsequente
Ausnutzung von Bewegungsmöglichkeiten
im Alltag und gezielter Sport verbessern
nicht nur die Leistungsfähigkeit,
sondern senken auch die Häufigkeit
und Mortalität der koronaren
Herzerkrankung sowie anderer Erkrankungen.
Jeder Patient hat die Möglichkeit,
sein Risiko aktiv zu beeinflussen
und zu reduzieren.
Die Sektion Breiten-, Freizeit u.
Alterssport der Deutschen Gesellschaft
für Sportmedizin u. Prävention
empfiehlt, jeden Patienten möglichst
umfassend über die Möglichkeiten
von Bewegung und Sport zu informie-ren
und mit ihm seinen individuellen
Bewegungsspielraum auszuloten |
|
Ziele
der Risikointervention |
Informationen
/ Empfehlungen |
Bewegungsverhalten
Ziele:
• Nutzung aller Bewegungsmöglichkeiten
im Alltag
• 3 – 4 mal
30 – 40 min/Woche
Sport |
Jede
Bewegung ist wichtig! Um auf einen
aus epidemiologischer Sicht günstigen
Kalorien-Umsatz von 1500 – 2000
kcal/Woche zusätzlich zum Grundumsatz
zu kommen, sollte Sport getrieben
werden, aber auch jede Bewegungsmöglichkeit
im Alltag genutzt werden (Treppensteigen
statt Aufzug, kürzere Strecken
zu Fuß statt mit dem Auto
etc.). Auch viele kleine Bewegungseinheiten
sind kumulativ wirksam.
Gezielte sportliche Aktivität
mit Ausdauercharakter (Gehen, Wandern,
Joggen, Radfahren, Schwimmen etc.)
3 – 4mal die Woche sind ein effektiver
präventiver Beitrag. Bei mittlerer
aerober Intensität sind 3 mal
30 – 40 min (längere Dauer)
günstiger als 6 mal 15 – 20
min (kürzere Dauer), aber auch
besser als 1 x 120 min. |
Fettstoffwechsel
Ziele:
• Gesamtchol. < 200 mg/dl
• LDL-Chol. < 100 mg/dl
• HDL-Chol.
m. > 40 mg/dl
w. > 50 mg/dl
• Triglyceride < 150 mg/dl |
Der
Fettstoffwechsel lässt sich
durch ausdauerorientierte körperliche
Aktivität günstig beeinflussen.
Das Ausmaß der Veränderungen
im Lipid- und auch Lipoproteinstoffwechsel
hängt entscheidend von dem
Verbrennungsanteil der freien Fettsäuren
im Energiestoffwechsel ab. Fettverbrennung
erfolgt vorrangig im aeroben Bereich,
das heißt bei relativ niedriger
Intensität. Wegen der langsamen
Kinetik der Fettverbrennung aus
den peripheren Fettgeweben sind
merkliche Anteile am Gesamtkalorienverbrauch
erst bei längerer Belastung
ab ca. 30 min aufwärts zu verzeichnen.
Durch Ausdauertraining sinkt der
Triglyceridspiegel schnell und deutlich.
Der Gesamtcholesterinspiegel reagiert
träge und sinkt erst bei längerem
und umfangreichem Training über
mind. 6 – 8 Wochen. Eher zu beobachten
sind Verbesserungen der Unterfraktionen
(Erhöhung des HDL-Spiegels
/ Senkung des LDL-Spiegels) und
des prognostisch wichtigen HDL/LDL-Quotienten
(Vor allem bei zusätzlicher
Ernährungsumstellung). |
Blutdruck
Ziel:
• < 135/85 mmHg |
Bluthochdruck
ist ein entscheidender Risikofaktor
für arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine Senkung des Blutdrucks beim
Sport ist kurzfristig über
die Weitstellung der Gefäße
und den Flüssigkeits- und Salzverlust,
längerfristig und dauerhaft
über Gewichtsreduktion, Dämpfung
des sympathischen Antriebes und
Senkung des Insulinspiegels zu erreichen.
Dynamische Ausdauerbelastungen großer
Muskelgruppen mit niedriger bis
mittlerer Intensität sind dazu
am besten geeignet. Kurzfristige
schnellkräftige Belastungen
sowie Maximalkraftbelastungen sind
ungünstig und bergen ein nicht
unerhebliches Risiko. |
Zuckerstoffwechsel
Ziele:
• Normalisierung des Blutzu-ckernüchternwertes
• Senkung des Insulinspiegels |
Diabetes
mellitus ist ein offensichtlicher
Risikofaktor und mit vielfältigen
Herz-Kreislauferkrankungen assoziiert.
Körperliche Aktivität
kann den peripheren Glukosetransport
in die Zellen erhöhen und damit
präventiv wie therapeutisch
der Insulinresistenz entgegenwirken.
Der Insulinspiegel kann gesenkt
werden, was zu einer Abnahme des
Wachstumsreizes auf die Gefäßmedia
und den Herzmuskel führt.
Der Effekt bedarf der regelmäßigen
und dauerhaften körperlichen
Aktivität und ist über
Ausdauerbelastungen eher zu erreichen
als über gemischte oder gar
kraftbetonte Belastungsformen. |
Rauchen
Ziele:
• vollständige Aufgabe des
Rauchens |
Rauchen
ist ein entscheidender Risikofaktor
für arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Durch starkes Rauchen können
bis zu 10 % des Hämoglobins
durch Kohlenmonoxid (CO) besetzt
werden und stehen damit für
einige Zeit nicht zum Sauerstofftransport
zur Verfügung.
Sport hat keinen direkten Einfluss
auf das Rauchverhalten, ist aber
hilfreich für die Aufgabe des
Rauchens. In Sportlerkreisen wird
wenig geraucht. Negative körpereigene
Rückmeldungen bezüglich
der Atmung und Leistungsfähigkeit
halten vom Rauchen ab. Sport bietet
positive Körperstimuli, die
vom Rauchen ablenken. |
Ernährung
Ziele:
• kohlenhydratreiche
• fettarme
• anti-atherogene Kost |
Körperliche
Aktivität erhöht den Nahrungsbedarf,
wobei für eine gewisse Zeit
während und unmittelbar nach
sportlichen Belastungen der Appetit
reduziert ist. Nach dem Sport sollte
der Flüssigkeitsbedarf gestillt
werden: alle 15 – 20 min 150 – 300
ml (zu beachten: maximale Flüssigkeitsresorptionsrate
20 – 30 ml/min).
Die Kost: kalorienangepasst, kohlenhydratreich,
fettarm, ballaststoffreich, reich
an ungesättigten Fettsäuren,
reich an Antioxidantien und Phytosterolen
(=mediterrane Kost). |
Körpergewicht
Ziele:
• Normalisierung des Gewichts
• Elimination der abdominellen
Adipositas |
Die
Bilanz zwischen Kalorienaufnahme
und -verbrauch bestimmt über
Gewichtszunahme bzw. –abnahme. Jede
Form von körperlicher Aktivität
größerer Muskelgruppen
mit mittlerer Intensität führt
zu einem Kalorienverbrauch von
ca. 7 – 10 kcal/min.
Die Intensität bestimmt über
die Art der verbrannten Kalorien.
Hohe Intensität verursacht
überwiegend Kohlenhydratabbau,
moderate Intensität betont
den Fettabbau, zudem bestimmt die
Belastungszeit das Ausmaß
der Fettverbrennung. Aus dem peripheren
Fettgewebe stammen bei 10 minütiger
Belastung nur wenige Prozent des
Energieverbrauchs bei länger
als 30 minütiger Belastung kann
der Fettanteil auf über 50
% steigen. |
Blutgerinnung
Ziele:
• Reduzierung der Gerinnungs-neigung
• Verbesserung der Fließeigen-schaften |
Ausdauertraining
verbessert die Endothelfunktion
und scheint geeignet, längerfristig
die Aggregation und Adhäsion
der Thrombozyten herabzusetzen und
die fibrinolytische Kapazität
zu erhöhen.
Ein positiver Einfluss auf die Fließeigenschaften
ist durch die Erhöhung des
Blutvolumens zu erzielen, wobei
das Plasmavolumen stärker zunimmt
als das zelluläre Kompartiment.
Nennenswerte rheologische Veränderungen
sind erst bei längerfristigem
umfangreichem Ausdauertraining zu
erwarten. |
Immunsystem
Ziele:
• Steigerung der Infektabwehr
• Verminderung des Krebsrisikos |
Regelmäßiges
moderates Ausdauertraining vermag
die Infektrate der oberen Luftwege
(nachgewiesen), vermutlich auch
die allgemeine Infektrate zu senken.
Intensive längere Akutbelastungen
und hochintensive Trainingsphasen
bei Leistungssportlern führen
zu passagerer Beeinträchtigung
des Immunsystems mit erhöhter
Infektanfälligkeit.
Epidemiologische Studien zeigen
protektive Effekte vermehrter körperlicher
Aktivität gegenüber Krebserkrankungen;
dies betrifft in erster Linie das
Gesamt- und Darmkrebsrisiko (möglicherweise
auch das Brustkrebsrisiko). Verbesserungen
der Befindlichkeit und Krankheitsbewältigung
durch Sport bei Krebspatienten sind
vielfach belegt. |
Psyche
Ziele:
• Steigerung der Stimmungslage |
Bei
körperlicher Aktivität
können stimmungsaufhellende
Neurotransmitter freigesetzt werden.
Bei depressiv verstimmten Personen
ist eine Verbesserung der Stimmungslage
durch körperliche Aktivität
belegt. Bei psychotischen Depressionen
ist ein positiver Effekt nicht gesichert.
Jede Art von körperlicher Aktivität
kann psychische Veränderungen
bewirken, gelegentlich in negativer,
zumeist jedoch in positiver Richtung. |
Stütz-
u. Bewegungsapparat
Ziele:
• Erhöhung der Knochenmasse
• Verminderung des Frakturrisikos
• Vermeidung muskulärer
Dysbalancen |
Osteoporose
ist bei Personen des höheren
Lebensalters (insbesondere Frauen)
eine häufige Erkrankung, die
durch Schmerzen und durch Frakturen
(Impressionsfrakturen der Wirbelsäule,
pathologische Frakturen der Extremitäten)
die Lebensqualität drastisch
beeinträchtigen kann. Präventiv
kommt einem optimalen Aufbau der
Knochenmineralisation ab dem Kindesalter
bis ca. dem 35. Lebensjahr u. a.
durch körperliche Aktivität
besondere Bedeutung zu. Aber auch
danach vermag vermehrte körperliche
Aktivität sowohl direkt (über
Knochenmassezunahme oder zumindest
über Verzögerung des Knochenmasseverlustes)
als auch indirekt (über Verbesserung
der muskulären Voraussetzungen,
der Eigenwahrnehmung, des Gleichgewichtes
und damit der Bewegungssicherheit
bei Reduzierung des Sturzrisikos)
Fehlbelastungen zu reduzieren und
das Frakturrisiko zu senken. Geeignete
Bewegungsformen sollten Kräftigungs-,
Beweglichkeits- und Koordinationsübungen
beinhalten. |