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Bewegungs- und Sporttherapie bei depressiven Erkrankungen |
| 1.
Die Depression, ein häufiges Krankheitsbild
mit komplexen Problemen Die Depression gehört nach den vorliegenden epidemiologischen Daten zu den häufigsten psychiatrischen Krankheitsbildern, mit einer hohen Prävalenz und Inzidenz im Morbiditätsspektrum unserer Gesellschaft, gekennzeichnet von einem ausgeprägten Krankheitswert für den Betroffenen. |
| 2.
Symptomatik, Diagnosefindung und Behandlung 2.1. Kernsymptome, Wesen und Bedeutung körperlicher und seelischer Beschwerden Hauptsymptom des depressiven Patienten ist
seine niedergeschlagene Stimmung. Zu den Kernsymptomen gehören: Verminderung
des Antriebes, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Verzweiflung,
Suizidgedanken, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes
Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, sexueller Appetenzverlust, sozialer
Rückzug, Schuldgefühle, Gefühle von Wertlosigkeit, Schlaflosigkeit. 2.2. Diagnosefindung Vor jeder Behandlung sollte der Therapeut nach den Ursachen und eventuellen reaktiven Auslösern der Erkrankung suchen. Die Diagnosefindung stellt an den Arzt hohe Ansprüche. 2.2.1. Nosologische Einordnung Zuerst erfolgt eine Überprüfung möglicher Grunderkrankungen, eventueller Risikofaktoren und eine Medikamentenanalyse. Diese Aspekte sind vor dem Hintergrund folgender psychopathologischer Konstellationen zu überprüfen: In einer Depression können sich soziale, psychische und medizinische Faktoren ausdrücken, wie beispielsweise grundlegende Veränderungen der Lebensbedingungen und daraus resultierende gesellschaftliche, finanzielle oder organisatorische Schwierigkeiten, aber auch Beziehungskonflikte, somatische Erkrankungen, körperliche Behinderungen sowie Aktivitätseinschränkungen und Abnahme der Leistungsfähigkeit. Bei solchen vielschichtigen und facettenreichen Bedingungen kann die Depression als Begleitsyndrom in unterschiedlicher gradueller Ausprägung auftreten. Bei reaktiven Depressionen sind Risikofaktoren zu identifizieren, die die depressive Symptomatik auslösen. Eine zweite große Gruppe bilden die endogenen Depressionen. Hier wird als wesentlicher pathogenetischer Faktor die Störung biochemischer Abläufe im cerebralen Stoffwechsel angenommen. 2.2.2. Mehrdimensionales, deskriptives Klassifikations-System (ICD-10 Schlüssel) In der neuen ICD-10 Klassifikation bleibt die Unterscheidung reaktiv/endogen unberücksichtigt. Das mehrdimensionale Klassifikationssystem der ICD-10 lässt Ansatzpunkte für soziotherapeutische Verfahren, zu denen auch die Sporttherapie gehört, daher mehr Raum. Ferner ist in der Ursachenforschung eine exakte Medikamentenanamnese, insbesondere bei älteren Patienten, unverzichtbar. Viele der häufig wegen Multimorbidität verordneten Medikamente besitzen ein depressiogenes Potential. |
2.3.1.
Gesamtbehandlungsplan
Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung depressiver Patienten ist die positive Beziehung zwischen Arzt und Patient, die mit der Erstuntersuchung begründet wird. Therapieziel ist es, zur Normalisierung des Verhaltens und Handelns des depressiv Erkrankten in emotionaler, kognitiver und sozialer Hinsicht beizutragen. Selbst kleine Schritte weg von Defiziten, und hin zu den medizinischen Ressourcen, die bei fast allen Patienten möglich sind, sind bereits Therapieerfolge. 2.3.2. Behandlungsansätze
und ihre Übertragung auf ein sporttherapeutisches
Programm 2.3.3. Übernahme des Therapieablaufes
3. Aufstellung eines systematischen Sportprogramms Vor
Beginn des sporttherapeutischen Programms
stehen das Abklären der Sporttauglichkeit
durch eine präventive Untersuchung
und vor allem der Aufbau einer therapeutischen
Beziehung. Sie beeinflusst entscheidend
die Effektivität des Sportprogramms.
Zu wählen ist ein individuell differenzierter
Bewegungsansatz, belastungsmäßig
auf Alter, Leistungsbereitschaft und -fähigkeit
abgestimmt. Der Therapeut/Sportlehrer
sollte die individuelle Aktivierungsmöglichkeiten
jedes einzelnen Patienten genau kennen.
Bei Patienten mit depressiven Erkrankungen
bestehen neben der psychischen Symptomatik
im Einzelfall auch unterschiedlich ausgeprägte
somatische, speziell motorische Manifestationen.
Gehemmte Motorik und geringe körperliche
Belastbarkeit werden häufig begleitet
von subjektiven Gefühlen des Gelähmtseins
und Schwere der Gliedmaßen. Ausgeprägte
Antriebsschwäche und das Gefühl
persönlicher Unfähigkeit beeinträchtigen
die Beziehung zum eigenen Körper.
Häufig erscheint der Bewegungsablauf
des depressiven Patienten mechanisch.
In solchen Fällen besteht der erste
Ansatz der Bewegungstherapie in einem
eher passiven "Durchbewegen" des Körpers,
um Verspannungen zu lockern, Gelenke beweglich
zu halten sowie den Kontakt zum Therapeuten
aufzunehmen. Die Einstellung eines systematischen
Sportprogrammes mit entsprechendem Theoriebezug
kann anschließend beginnen. Die
im folgenden angegebenen Kriterien berücksichtigen
dabei schwerpunktmäßig den
Einsatz der Bewegungs- und Sporttherapie
in Klinik und Reha-Einrichtungen. 4. Vorgehensweise und Umsetzung
4.1.
Ausgangspunkt und Bereichsprofil
4.2.
Zielbestimmung
Schwerpunktmäßig soll über
die Förderung der Selbstregulationsfähigkeit
die Wiederherstellung des psycho-physischen
Gleichgewichts erreicht werden. Akzeptanz
und Annahme derartiger Inhalte und Angebote
werden entscheidend bestimmt von den psychologischen,
sportlichen und pädagogischen Fähigkeiten
des Bewegungs- und Sporttherapeuten. Die
Ansprüche, die an ihn gestellt werden,
sind vielfältig und therapeutisch aufwendig.
Er wird geduldig, dosiert und erfolgsorientiert
den depressiv Erkrankten in seinem Dialog
zum eigenen Körper bewegungsrelevant
unterstützen. Er hilft, emotionale
Erfahrungen zu verbalisieren und bewusst
zu machen sowie Sinnzusammenhänge zwischen
körperlichen und psychischen Funktionen
zu verdeutlichen. Über eine solche
intensive Zuwendung kann eine erste Verbesserung
der Befindlichkeit erreicht werden. Der
Kranke führt Bewegungen wieder selbständig
aus. Dies schafft Selbstsicherheit und bringt
verlorengegangenes Selbstbewusstsein zurück.
4.3.
Verhaltenstherapeutische Verfahren 4.3.1. Kognitive Therapie nach
Beck 4.3.2. Interpersonelle Psychotherapie
(ITP)
5.1.
Differenzierung des Anspruchsniveaus
5.2. Angebotspalette: (Beispiele)
5.3.
Aufbaugrundsätze
6. Zusammenfassung Der Einsatz von Bewegung, Spiel und Sport in der Behandlung depressiver Erkrankungen ist im letzten Jahrzehnt in zahlreichen Publikationen untersucht und beschrieben worden. Zielorientierte Bewegungs- und Sportprogramme sind akzeptierte Begleittherapien im Rahmen eines Gesamtbehandlunskonzeptes. Therapieerfolg mit sportbezogenen Mitteln bedeutet den Weg der kleinen Schritte weg von den Defiziten affektiver Störungen, bewirkt geringere Beschwerden, eine Verbesserung der Lebenssituation und Wiedergewinnung von Hoffnung und Lebensfreude. Allerdings ist das Sporttreiben nicht für alle Depressive gleichermaßen von Vorteil. Für einige kann Sport auch gefährlich werden, wenn bestimmte körperliche Beeinträchtigungen nicht frühzeitig erkannt werden und die Kranken nach anfänglichen Erfolgen Gesundheitsschäden davontragen. Deshalb sollte vor Programmbeginn eine gründliche präventive Untersuchung durchgeführt werden. Eine optimale Förderung der psychischen Gesundung durch Bewegung, Sport und Spiel ist, wie in jeder Behandlung nur dann möglich, wenn der Betreuer versteht, dass das therapeutisch motivierte Sporttreiben depressiv Erkrankter ein zielorientiertes Handeln selbständig denkender und fühlender sozialer Individuen darstellt, die bereit und willens sind, an sich selbst zu arbeiten.
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